Lesefluss und Datenstrom
binärer Code auf Plexiglasflächen binärer Code auf PlexiglasflächeDie Kulturgeschichte des Menschen beginnt mit der Sprache, die bis zur Entwicklung von Formen der Schrift wesentliches Kommunikationsinstrument blieb.  Die Menschen befanden sich in einem Raum der Stimme, man musste anwesend sein. Über Sprache vermittelte Wirklichkeit war gebunden an die Gegenwart, an den „Redefluss“ eines Gegenüber. Zum ersten Mal wurde mit der Erfindung der Schrift und später des Buchdrucks diese „Anwesenheitspflicht“ durchbrochen. Auch der Umgang mit Zeit veränderte sich zusehends. Augenblicke konnten eingefroren, gelagert werden und zu einem späteren Zeitpunkt an einem anderen Ort wieder verfügbar gemacht werden. Sprache wurde somit sichtbar, wurde Schwarz auf Weiß präsentiert, eingeschrieben in zwei Seiten eines Buches – die Wirklichkeit festgehalten zwischen zwei Buchdeckeln. Diese sind in der Installation durch die als Buchseiten platzierten Projektionsflächen repräsentiert. Ein weiterer Schritt wurde mit der Digitalisierung gespeicherter Informationen und dann vor allem der rasanten Entwicklung des Internet gemacht. Mit ihm wird Zeit und Raum ausgelöscht, für uns unsichtbar – durchsichtig wie die Plexiglasseiten. Die Daten werden auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, alles passiert in Echtzeit. Text, Ton und Bild können übertragen werden und begegnen uns in unserem Bildschirm des Computers wieder, egal wo wir sind. Wenn der Besucher die Installation betritt, wird er selbst Teil der Installation (die Projektion findet auch auf ihm statt), so wie er Teil unserer Medienwirklichkeit ist. Er kann sich somit nicht heraushalten, wenn er über eine gewisse Anfangsnaivität hinaus in unserer Medienwelt an Kommunikationsprozessen, an aktuellen Diskursen teilhaben will.